Corporate Blogs

Corporate Blogs haben im WWW einen schweren Stand. Nicht zuletzt, weil dort oft nur aus PR-Gründen gebloggt wird und die dort gebotene Information und Motivation die Leserinnen und Leser kalt lässt.

Anders sieht es in den Unternehmen selbst aus.  So wissen wir aus Fallstudien aber auch aus eigenen Erfahrungen, dass Weblogs im Intranet eine wichtige kommunikative Funktion erfüllen. Beispielsweise werden dort Erfahrungen einzelner Unternehmenbereiche ausgetauscht.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Wie Wikis und andere Web 2.0 Anwendungen bewegen sich Blogs an der Grenze zwischen implizitem und explizitem Wissen. Hier werden neue Ideen formuliert, Probleme besprochen und Lösungsvorschläge eingebracht.  Firmeninterne Trends werden erkennbar.Es bilden sich nicht zuletzt virtuelle Fach-Communities, die hier einen  Weg haben, Wissen erarbeiten und zielgenau verbreiten zu können. Kurz gesagt: Die Blogs in den Unternehmen finden ihre Leser und ihre Schreiber.

Dabei schreiben nicht alle und nicht auch die Intensität der Beteiligung ist unterschiedlich. Eine Fallstudie bei Siemens zeigt, dass etwa ein Drittel der Mitarbeiter, die ein persönliches Weblog angelegt haben, gar keinen Beitrag schreiben. Ein Drittel der Mitarbeiter arbeitet sehr intensiv mit dem Blog. Ein weiteres Drittel der Blogs wird als Gruppenblog mit mehreren, verteilten Autoren genutzt. Auch spannend: bei Siemens sind etwa 2/3 der Beiträge Kommentare. So findet jeder seinen Weg, das Medium zu nutzen und das ist in der Gesamtsicht auch die effizienteste Nutzung des Mediums.

Zentral bleibt hier die Freiwilligkeit. Zwar kann sich eine Arbeitsgruppe oder eine Abteilung darauf einigen, dass ein Blog als zentrales Medium genutzt wird. Denkbar sind auch Zielvereinbarungen. Starre Direktiven laufen jedoch der Grundidee des Bloggens völlig zuwider.

Im Unterschied zu Siemens verpflichtete ein anderes Unternehmen seine Mitarbeiter dazu, dass jeder Mitarbeiter einmal die Woche bloggen muss, aber nicht mehr als zehn Zeilen schreiben darf. Das Ganze begründet sich dann mit der Steigerung der Effizienz und de  Effektivität der Weblog-Kommunkation. Leider bleibt unklar, welche Gründe und welche Ziele zu diesem Zwangsblogging führen. Zwang zur Reflexion? Zwang zum Berichten? Das kann im jeweiligen Kontext sinnvoll sein. Klar ist aber auch, dass auf diese Weise auch viel überflüssige Information produziert wird. Die Überlegung, ob mir ein Thema wirklich so wichtig ist, dass ich einen Beitrag schreibe, hat auch eine sehr angenehme Filterfunktion.

Die Chance von Corporate Blogs liegt in den gewonnenen Freiräumen. Diese gilt es zu nutzen.

Lit.: Dominik Fröhlin: Corporate Blogs bei der Siemens AG, in: Koch/Richter (Hg.): Enterprise 2.0, Planung, Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen, 2009, 97ff.

Dies könnte Ihnen auch gefallen

Schreiben Sie einen Kommentar