No Wiki is perfect

Mosaik. Biennale Venedig 2009
Mosaik. Biennale Venedig 2009

… und das ist gut so.

Nach zahlreichen Wiki-Anwenderschulungen, die ich im Firmenkontext veranstaltet habe, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass sich diese Software für Anfänger alles andere als intuitiv erweist. Zwar kennen viele User die Wikipedia, aber eben nur vom „Anschauen“ und „Lesen“. Wenn es darum geht, die aktive Mitarbeit im Wiki zu vermitteln, wird es für den Trainer zum Spießrutenlauf. Kommentare wie „Ich kann meine Seite nicht mehr finden!“, „Meine Änderungen sind verschwunden!“, „Warum muss ich denn so umständlich Tabellen programmieren?“ „In Word geht das viel einfacher!“ stehen auf der Tagesordnung.

Und natürlich kommt diese Wahrnehmung nicht von ungefähr. Ein Wiki ist eine klassische Webanwendung, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Nutzer, die ihre bisherigen Use Cases mit Desktoplösungen wie Word, Excel oder Outlook totschlagen konnten, vermissen Annehmlichkeiten wie Drag and Drop, die automatische Speicherung und ein ausgefeiltes Formatierungssystem schmerzlich.

Selbst Erweiterungen, die die Arbeit im Wiki erleichtern sollen, wie z. B. ein WYSIWYG-Editor, könnten sich als kontraproduktiv erweisen, da sie dem Nutzer eine gewohnt perfekte Funktionsweise vorgaukeln, die sie nachwievor noch nicht garantieren können. Das schafft eher Enttäuschung als die erhoffte Erleichterung.

Doch auch die positiven Seiten dieser „Misere“ sind ganz deutlich zu erkennen. Gelingt es, in den Einführungsveranstaltungen ein grundlegendes Verständnis für den Wiki-Charakter zu generieren, kann die zukünftigen Wiki-Community nur davon profitieren:

  • Die User entwickeln eine Vorstellung von und ein besseres Verständnis für die Funktionsweise einer Webanwendung, was die Toleranz gegenüber der Software erhöht.
  • Die Nutzer können „ihr“ Basiswiki selbst gestalten und entwickeln eine gewisse Wertschätzung für die technischen Anpassungen.
  • Die vergleichsweise rudimentäre Architektur des Wikis schafft in vielen Fällen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und eine Konzentration auf das Wesentliche, nämlich die kollaborative Wissensammlung, ganz nach dem Motto „das Medium ist die Botschaft“.

Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich plädiere hiermit nicht für eine schlechte Software. Vielmehr fordere ich eine Toleranz gegenüber dem Funktionalen zugunsten einer neuen Möglichkeit der Kooperation. Auch DAS ist das Web 2.0.

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