Seiten beleben mit Frequenzbringern

Handelsübliche Käsetheke. Q:Wikimedia Commons
Handelsübliche Käsetheke. Q:Wikimedia Commons

In ihrem Supermarkt gibt es eine Fleisch- und Käsetheke oder ein Kühlregal. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie zu diesen Orten, an denen verderbliche Ware verkauft werden, immer durch den ganzen Laden rennen müssen? Ja? Das ist natürlich Absicht. Im Wirtschaftsjargon nennt man das „Frequenzbringer“. Gemeint sind Waren im Sortiment, die besonders günstig sind („Lockangebote“) oder täglich neu eingekauft werden müssen. Sie werden so platziert, dass man an allen Regalen vorbei muss, und dann auf den ganzen anderen Kram stößt, dessen Kauf eigentlich nicht beabsichtigt war. Ein Frequenzbringer kann aber auch ein Bereich sein, in dem es immer Sonderangebote gibt, denken Sie an die bekannten Discounter. Es wird in jedem Laden immer bestimmte Warengruppen geben – verderblich, billig oder beides, die täglich und immer wieder Kunden in den Laden spülen sollen. Städtebaulich können übrigens Cafés, Kaufhäuser oder kulturelle Einrichtungen als Frequenzbringer dienen.

Was hat des mit Web und Web 2.0 zu tun? Web 2.0-Anwendungen sind unter anderem attraktiv, weil man dort aktuelle Veränderungen beobachten kann. In Facebook sehe ich die neuesten Statusmeldungen und Kommentare meiner Freunde, bei Wikipedia die „Letzten Änderungen“, im Weblog den neusten Eintrag.

Wir von Hallo Welt! nennen diese Features auch „Frequenzbringer“, weil sie dazu ermuntern, mindestens einmal täglich auf eine Seite zu sehen. Im Unterschied zu den Frequenzbringern Ihres Supermarkts, sind die Frequenzbringer im Web normalerweise nicht irgendwo „hinten“, sondern „vorne“, beim Einstieg oder im Portal, angeordnet.

Frequenzbringer können ganz unterschiedlich sein.

Für passives Medienverhalten gibt es die Neuesten Seiten, Neuesten Dateien und Bilder, häufig wechselnde Artikel,  die neuesten Nutzer, Veränderungen in Profilen, E-Mailbenachrichtigungen wie „Franz X. hat eben Ihren Kommentar gelöscht“, (Video-)Blogeinträge, RSS-Feeds oder ein Microblog à la Twitter.

Im aktiven Medienverhalten können Foren und Kommentarfunktionen, aber auch Spiele eine Frequenzbringer-Funktion erfüllen. Frequenzbringer müssen in jedem Fall schnell konsumierbar sein oder dürfen nur einem geringen Arbeitsaufwand nach sich ziehen: bestimmte Votings wären ein weiteres Beispiel.

Keine Frequenzbringer sind natürlich Navigationselemente wie Tagclouds oder Rubriken mit statischem Inhalt.

Soll nun eine Startseite eine größere Aufmerksamkeit erhalten, muss sie ein bestimmtes Maß interessanter oder relevanter Neuigkeiten bereithalten. Und bei erfolgreichen Webprojekten werden diese mit einem erfahrenen journalistischen Blick für Layout und Design zusammengestellt.

Doch Vorsicht: Nicht immer ist der Einsatz von Frequenzbringern sinnvoll. Im Unternehmensumfeld, kann ein relativ statisches Betriebshandbuch eigentlich darauf verzichten. Ein Intranet-Startportal dagegen benötigt relevante News, die dann auch gepflegt werden müssen. Offizielle wie inoffizielle Online-Redakteure übernehmen  hier streckenweise die Funktion von Publishern.  Schon aus Gründen der Zeitersparnis kommen dann oft Dienste zum Einsatz, die Beiträge verschiedener Autoren automatisiert bereitstellen.

Ganz generell sollte man Frequenzbringer unbedingt sparsam und mit Blick auf die gesamte Softwarelandschaft einsetzen, um die eh schon steigenden Informationsflut und Reizüberflutung einzudämmen. Machen Sie es wie ihr Supermarkt: Lassen Sie sich ggf. fachkundig beraten.

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