Cebit 2011 oder: A Man has to do what a Man has to do

Klare Rollenbilder und Parties, die aus den spießigen 1950ern stammen könnten.
Klare Rollenbilder und Parties, die aus den spießigen 1950ern stammen könnten.

So. Das war’s mit der Cebit 2011. Technisch mag das 21. Jahrhundert angebrochen sein, von den Geschlechterverhältnissen her befinden wir uns auf der weltgrößten IT-Messe noch in den 1940ern. Das muss einfach mal gesagt werden: Auch nach fünf Jahren habe ich mich noch nicht daran gewöhnt, den (rückschrittlichen) Stand der Emanzipation so gnadenlos vorgehalten zu bekommen.

Natürlich trifft man auf dem Messegelände Frauen. Das ist doch schon mal was (immerhin geht es um Technik!). Schaut man jedoch genauer hin, bewegen sich „die Mädels“ hauptsächlich im „unteren“ Servicebereich: Entweder sie schenken im adretten Stewardesskleidchen ihren ach so wichtigen Kollegen Kaffee aus oder sie lassen sich in irgendwelche vulgären Bunnykostümchen stecken um nicht minder bescheuerte Werbeartikel an die Herren Krawattenträger zu verteilen. Diese genießen es sichtlich, dermaßen begehrt zu sein: Hier ist die Welt halt noch in Ordnung.

Weiter geht’s am Abend mit den berühmten Standpartys, wo selbstverständlich GoGo-Tänzerinnen angestellt werden um den Vertrieblern auf Jungesellenabschiedsniveau noch mal kräftig einzuheizen. Der Gipfel der untergriffigen Peinlichkeiten ist übrigens jedes Jahr die Tobit-Party – nur für den Fall, dass Sie die verpasst haben sollten. Die Frage nach männlichen Tänzern stellt sich offensichtlich gar nicht, denn eine derartige Zurschaustellung möglicher homoerotischer Neigungen wäre einfach „unmännlich“ und daher gänzlich unpassend für das „Men’s Health“-Menschenbild der Cebit.

Unsere Kollegin Nathalie bekam die Diskriminierung am eigenen Leib zu spüren: Ein Kunde ging – nachdem er mit mir über die Realisierung eines möglichen Projekts gesprochen hatte – zu ihr und verabschiedete sich mit den Worten, dass er sich gerne mit ihr unterhalten hätte, aber Männer nun mal mehr von der Sache verstehen würden, nix für ungut! Wir haben Nathalie nach diesem Vorfall die Erlaubnis gegeben, derartige Zeitgenossen mit einem Tritt in den Allerwertesten aus unserem Areal zu entfernen. Aber am Ende steht der noch drauf.

Am Rande habe ich auf einem Panel der Webciety eine Frau gehört, die ihre vollmundige Botschaft damit einleitete, dass sie großer Fan von Frau Merkel sei, weil diese gegen die Frauenquote gestimmt hätte und sie selbst so stolz darauf wäre, keine Quotenfrau zu sein. Angesichts der Verhältnisse auf der Messe klang das wie Hohn. Vielleicht hätte sie mal mit offenen Augen und eingeschalteter rechter Gehirnhälfte (falls sie die noch besitzt) über das Cebitgelände schlendern sollen…

Sie finden diesen Beitrag geschäftsschädigend? Schon wieder nix verstanden.

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