Eindrücke von der Froscon 2011

Die FrOSCon ist eine der wichtigsten Veranstaltungen für deutsche Open-Source Entwickler-Communities. Und schon im Eingangsbereich wird die thematische Bandbreite der Veranstaltung deutlich. Da steht neben dem Stand der Free Software Foundation Europe ganz selbstverständlich der schnell wachsende Open-Source Dienstleister tarent solutions GmbH.

Ein Kennzeichen der FrOSCon ist die offene Atmosphäre. Hier treffen sich Leute, die voneinander lernen wollen. Und so war dann auch das Social Event am Samstag weit mehr als nur ein kollektives Essen-Fassen. Die Bierbänke im Forum der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg waren gerammelt voll mit anregend diskutierenden Teilnehmern.  Das Wetter spielte auch noch mit – perfekt.

Livestreaming

Mich interessierten vor allem die Aussteller der FrOSCon. Viele Aussteller suchten hier neue Mitarbeiter. Die IT-Branche wächst unstet, aber sie wächst.

Was fürs Auge bot der Livestreaming-Anbieter Make.TV. Mit Make TV lassen sich eigene Live-TV-Shows im Internet realisieren – vergleichbar zu Anbietern wie USTREAM oder Livestream. Make.TV ist speziell ein Livestreaming-Angebot für Unternehmen mit einer neuartigen Technologie. Interessant finde ich unter anderem, dass man mehrere Streams zusammenführen kann. So sendet man beispielsweise aus dem München und schaltet einen Stream aus den USA dazu. Das macht insgesamt alles einen sehr guten und professionellen Eindruck. Und hinter dem Projekt stecken die Leute von papaya Software aus Köln, die seit 1998 Internetapplikationen für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen entwickeln; in erster Linie das Open Source papaya-CMS.

Admin-Welten

Die FroSCon ist aber in erster Linie was für Techies, die mit IT-Infrastrukturen zu kämpfen haben und hier nach brauchbaren Alternativen suchen. So bietet beispielsweise Zarafa die Open-Source Alternative zu MS Exchange. Oder vielleicht wäre es korrekter, wenn man sagt, dass man mit Zarafa einen „Exchange-Server“ auf Linux betreiben und Microsoft Outlook darüber laufen lassen kann.

Die Firma GeNUA, ein Spezialist für Firewalls, bewirbt die umfangreiche Sicherheitssuite Anoubis. Weil beispielsweise Trojaner unbemerkt die Rechte von Nutzern verwenden, um an bestimmte Daten heranzukommen, kombiniert das Sandbox-Modul Nutzerrechte mit den Rechten von Anwendungen. Der Nutzer hätte zwar die vollen Zugriffsrechte, die ein Trojaner ausnutzen würde, der Zugriff bestimmter Anwendungen auf das Netzwerk kann aber allgemein unterbunden werden, ohne bei jedem Nutzer einzeln die Rechte ändern zu müssen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Module, die das Leben von Admins leichter machen.

Erstaunt war ich über die Vitalität des Datenbank-Seniors PostgreSQL – eindeutig ein Favourit der freien Software-Szene. Seit dem Kauf von MySQL durch Oracle gibt es innerhalb der freien Software Community Vorbehalte gegenüber dem MySQL. Und so wurde PostgreSQL ganz unvermeidlich wieder populärer. Tatsache ist aber auch, dass PostgreSQL (noch) keine große Verbreitung hat und auch von großen Hostern kaum angeboten wird. PostgreSQL als realistische Alternative zu MySQL erscheint mir aus ökonomischen Gründen als nicht besonders wahrscheinlich. Mehr Chancen hätten Forks wie MariaDB. Da könnten Unternehmen ihre Datenbanken behalten. Ein nicht unwesentliches Argument.

Ein sehr nettes Gespräch hatte ich dann noch mit den Gründern von DIMQ. Von ihnen war zu erfahren, dass informatica, der Platzhirsch beim Thema Daten- und Anwendungsintegration, mittlerweile kräftige Konkurrenz durch die Open-Source Middleware talend bekommen hat. Hier könnten mittlerweile große Datenmengen „near realtime“ zusammengezogen werden. Wie immer ist auch hier die Software nur die eine Häfte des Projekts. Beratung und Anpassung bleiben weiterhin notwendig. Aber dafür gibt es ja dann die entsprechenden Spezialisten.

Red Hats Community

Immer wieder beeindruckend ist, wie gut die führenden Open Source Unternehmen ihr sogenanntes Eco-System organisiert haben. Gerade Red Hat Enterprise Linux ist für Open Source-Unternehmen immer wieder ein interessanter Beispielfall.

Um das Softwarepaket Fedora gruppiert sich gewissermaßen die von Red Hat gesponserte Entwickler- Community. Sie entwickeln am „bleeding edge“. Das heißt, hier werden neue Komponenten entwickelt und ausprobiert. Red Hat Enterprise übernimmt diese Entwicklungen, lässt seine Qualitätssicherungsmaßnahmen darüber laufen und bietet den Service für Geschäftskunden.

centOS baut schließlich die Red Hat-Entwicklungen nach und stellt sie frei zur Verfügung. centOS hat zwar einen geringeren Leistungsumfang, als die Red Hat Enterprise Distribution. Dafür sind alle Komponenten umfassend getestet und laufen stabil. Red Hat-Interessenten können so das kostenlose und stabile centOS ausprobieren, bevor sie sich für Red Hat Enterprise Angebote entscheiden. Fedora wäre für den Produktiv- und Testbetrieb viel zu unsicher. Und so schließt sich der Kreis.

Im Detail ist das noch wesentlich differenzierter. So unterscheiden sich Fedora, Red Hat Enterprise und centOS auch bewusst in den Releasezyklen. Linux-Leuten erzählt man hier sicher nichts Neues, aber der Welt außerhalb sind Open-Source Strategien immer noch fremd. Und auch die Profis lernen von den großen Vorreiter-Projekten immer wieder dazu.

Monitoring Systeme

Unter den Ausstellern fand ich dann auch noch zwei Anbieter für Monitoring-Systeme. Aufgabe dieser Lösungen ist es, Netzwerke und Netzwerkressourcen wie Server zu überwachen. Icinga und openITCOCKPIT bieten hier freie Alternativen zu IBMs Tivoli oder zu OpenView von Hewlett-Packard. Das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit: beide basieren auch auf der freien Software Nagios.

Icinga, ein freies Softwareprojekt mit Enterprise-Komponenten, bietet keine kommerziellen Support-Services. Open ITCOCKPIT gibt es seit 2003 und wurde 2010 von in eine freie Software umgewandelt. Hier gibt es bereits wichtige Konnektoren etwa zu SugarCRM und OTRS, um beispielsweise die Vertragsdaten abzubilden. Konsequenterweise bietet der Hersteller it-novum GmbH mit openATTIC auch ein offenes Storage Management an. Sollte man sich ansehen.

Unterm Strich brachte die FrOSCon viele neue Einblicke und Ideen. Vor allem aber die Bestätigung, dass die Integration und Zusammenarbeit der verschiedenen Open Source-Lösungen untereinander, aber auch das Zusammenspiel mit proprietären Produkten eine große, wenn nicht die zentrale Aufgabe der Open-Source-Welt in den nächsten Jahren sein wird.

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