Google+ Ein Social Network auf der Überholspur

Ein Überblick

Zur Liste der Social Networks hat sich in den letzten Wochen das lang erwartete Google+ gesellt. Wieder einmal in Google Manier, war es zunächst nur einem ausgewählten Benutzerkreis zugänglich. Per Einladung konnte man, unabhängig davon, ob man einen Google-Account besitzt, darauf hoffen, zu den Auserwählten zu gehören.
FireShot-capture-091-Willkommen-bei-GoogleMan musste sich lediglich auf der Projektseite registrieren. Selbst jetzt erhält man noch den Hinweis auf der Startseite, dass man zu einem eingeschränkten Nutzerkreis zählt, da sich das Projekt noch in der Testphase befindet. Mit bereits 15Mio angemeldeten Nutzern klingt das allerdings schon etwas witzig – wobei das im weltweiten Vergleich tatsächlich nicht viele sind (Facebook besitzt angeblich weltweit 750Mio registrierte Nutzer). Wurde man also erfolgreich in den Kreis der Auserwählten aufgenommen, findet man sich dank der leichtgewichtigen und übersichtlichen Oberfläche schnell zu recht. Das hat in den ersten Tagen sicherlich zu der hohen Akzeptanz der Plattform beigetragen und die Nutzerzahlen hochgetrieben.

Werfen wir gleich einen Blick auf die verschiedenen Bereiche:

  • Profil: Keine große Überraschung… auch bei Google+ gibt es einen Bereich für die Nutzer, in dem Sie strukturierte Informationen zur Person, Interessen und Werdegang hinterlegen können. Im Unterschied zu anderen Social Networks muss man jedoch seinen realen Namen verwenden. Aliase werden nicht unterstützt. Das Thema hat viele Diskussionen ausgelöst und einige Nutzer mussten sich über gelöschte Accounts ärgern. Es gibt aber zumindest die Erkenntnis, dass die Umgangsformen in diesem Netzwerk dadurch besser geworden sind.
    Hat man endlich die wichtigsten Daten eingetragen, muss man sich bei dieser Gelegenheit auch gleich entscheiden, welche Informationen öffentlich verfügbar sein sollen oder worauf nur Freunde zugreifen können. Die entsprechende Einstellung kann man sich zur Überprüfung simulieren lassen, damit man auch im öffentlichen WWW auf der sicheren Seite ist.
  • Stream: Auf der Übersichtsseite findet man prominent den Posting Stream. Hier erscheinen alle Beiträge samt Kommentaren, die gepostet oder geteilt wurden. Beiträge können außerdem über den +1-Button bewertet werden. Der Stream beinhaltet grundsätzlich Beiträge von Freunden. Die Kommentare können von Freunden der Freunde erstellt worden sein. Hat man sich erst einmal mit einigen Personen vernetzt, kann man auch zwischen unterschiedlichen Streams hin- und herschalten, um den Informationsstrom gezielt zu filtern.
  • Kreise: Das „Freunde“-Konzept von Google möchte die Organisation von Kontakten in Gruppen intuitiver und einfacher gestalten. Man zieht sich die vorhandenen Kontakte einfach in „Freundes-Kreise“ – Circles – ein wenig, wie im wahren Leben. Neue Kreise lassen sich bei der Zuordnung eines Kontaktes auch spontan anlegen. Ansonsten bereitet man einfach die gewünschten Kreise vor und benennt diese nach Belieben – diese Kreise stellen auch die bereits angesprochenen Streams dar. Personen können mehreren Kreisen zugeordnet werden. So lassen sich also auch Schnittmengen, z.B. zwischen beruflichen und privaten Kontakten generieren. Die Kreise stellen die wichtigste Komponente der Google+ Kommunikation dar. Aber dazu komme ich später.
  • Fotos: Die Bildergalerie generiert Fotozusammenstellungen aus den hochgeladenen Bildern der gecircelten Kontakte oder der eigenen Bildersammlung. Fotos lassen sich einfach kommentieren und erscheinen im Google+ Stream. Über eine Picassa Anbindung, die man beim Einstieg zu Google+ zwingend bestätigen muss, lassen sich freigegebene Webalben direkt in Google+ verfügbar machen. Das ist sehr komfortabel, aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass diese Bilder schnell für das ganze Web verfügbar sind, wenn man nicht die richtige Berechtigung eingestellt hat. Das Szenario wird noch etwas erschreckender, wenn man die Gesichtererkennung von Picassa genutzt hat und Personen auf den Bildern markiert wurden. Durch unvorsichtiges Handeln, könnten so Informationen über Dritte in das Internet gelangen, die man dort so vielleicht nicht wieder finden sollte. Diese Diskussion gab es bereits bei der Facebook Gesichtererkennung.
    Für Smartphone-Nutzer gibt es beim entsprechenden App sogar einen Direktupload für Bilder, die mit dem Telephon geschossen wurden. Diese werden direkt (abhängig von der aktiven Internetanbindung) für Google+ bereitgestellt, ohne dass man als Nutzer aktiv werden muss.
  • Games (nicht als App verfügbar): Zum Schrecken der Google+ Gemeinde wurden bereits ca. vier Wochen nach der Eröffnung der Plattform die ersten Spiele angekündigt. Die leidigen Erfahrungen, die man zu diesen Social Games á la Farmville auf Facebook sammeln musste, wollte man als Google+ Nutzer eigentlich nicht wieder erleben. Die Ankündigung von Bradley Horovitz und Natalie Villalobosließen allerdings hoffen, dass sich das Konzept klar von Facebook abheben würde. Zwei Tage nach der Einführung der Spiele hatte auch ich bereits meinen Button erhalten. Tatsächlich stören die Spiele den Informationsstream nicht weiter, da sie einen eigenen Spielestream erhalten haben. Ich entscheide als Nutzer, ob ich ein Spiel starten möchte und die Meldungen der anderen Spieler zu den jeweiligen Games sehen möchte. Auch die Spiele unterscheiden sich von den üblichen Sammelspielen. So finden wir hier z.B. Angry Birds, Sudoku, Diamond Dash und weitere Jump’n’Run oder Arcade-Spiele.
    Google-Hangouts
  • Hangouts (nicht als App verfügbar): Die große technische Konkurrenz zu Skype und Facebook stellt der Videokanal dar. Hangouts sind schnell startbare Videokonferenzen mit bis zu zehn Teilnehmern. Google tummelt sich ja schon seit einiger Zeit mit Chat und Telefonie (Google Voice soll jetzt auch nach Europa kommen http://www.golem.de/1109/86610.html) im Kommunikationsbereich. Videokonferenzen runden das Angebot nun völlig ab. Nicht zu letzt, weil die Videoübertragung und Performanz wirklich gut sind. Reizvoll ist auch die Möglichkeit, spontan Nutzer zu einer Konferenz einzuladen oder diese komplett öffentlich, bzw. für bestimmte Freundeskreise zu starten und den Zugang für weitere Teilnehmer einfach offen zu halten.
  • Sparks (nicht als App verfügbar): Google stellt eigene Informationsstreams zur Verfügung. Suchen Sie einfach nach einem Schlagwort. Das Suchergebnis können Sie als Spark abonnieren und Sie erhalten über die linke Navigationsleiste einen schnellen Zugriff zu aktuellen Meldungen zu diesem Thema. Sparks können Sie teilen und so Ihren Kreisen verfügbar machen.
  • Huddles (nur als App verfügbar): Die Instant Messanger Variante im Rahmen von Google+. Schicken Sie Schnellnachrichten an Kontakte oder Kreise.
  • Konfiguration und Kopfleiste: Google+ ist fester Bestandteil des Google-Angebots. Während der Einführungsphase wurde auch das Google-Design umgestellt. Hat man das neue Design aktiviert, erscheint über allen Google-Anwendungen eine schwarze Kopfleiste, die am rechten Ende den direkten Zugang zu Google+ ermöglicht und den Nutzer auch über neue Kommentare, etc. informiert. Dort befindet sich auch der Zugang zur Google+ Konfiguration.

 

Das Besondere

Das übersichtliche Design wird auch in der Funktionalität unterstützt. Neue Posts lassen sich schnell und einfach erstellen. Beiträge können sogar per Drag&Drop von Bildern angereichert werden. Man zieht dazu das gewünschte Bild einfach vom lokalen Speicherort in die Post-Box. Natürlich können auch Videos, Links oder Standorte hinzugefügt werden.

Beim Posten findet man auch die nächste Auffälligkeit. Die Beiträge kann man an verschiedene Kreise posten und damit den Leserkreis einschränken. Es lassen sich auch nur einzelne Personen adressieren. Man kann sogar auch an Personen posten, die noch nicht Mitglied bei Google+ sind. Diese erhalten dann eine E-Mail.

Die erstellten Beiträge werden übrigens auch von Google als Suchmaschine berücksichtigt. Damit sollte man Google+ auf jeden Fall in einem Gesamt-Social-Media-Konzept berücksichtigen.

Das wird auch vom +1-Button unterstützt. Diesen findet man an allen Beiträgen, Kommentaren, Suchergebnissen und mittlerweile bei den meisten Websites. Plus1 erhöht das Ranking von Websites, zählt allerdings „nur“ bis 9.999. Auch bei den Circles gibt es Einschränkungen. Man kann maximal 5.000 Personen zu einem Kreis hinzufügen, Beiträge können maximal 500 mal kommentiert werden und 1.000 mal geteilt werden.

 

Wenn Google+ wüsste, was Google+ weiß – Auffällige Themen

Trotz Beta-Phase war es schon etwas überraschend, dass ausgerechnet der Google+ Stream nur über Browser-Hacks durchsuchbar war.Die Suchfunktion bei Google+ mit Facetten Zunächst war ich unsicher, ob ich etwas übersehen habe, aber tatsächlich wurde die Suche erst am 20.9. ausgebaut. Jetzt ist es möglich die Suchergebnisse über Facetten auf Personen, Beiträge und Sparks einzuschränken. Suchanfragen lassen sich sogar abspeichern. Das wird interessant, wenn man Anfragen über Operatoren (AND, „+“, OR, NOT und „-„) kombiniert.

Die Verzahnung mit anderen Google Anwendungen, wie Docs oder Kalender gibt es derzeit auch noch nicht. Vielleicht würde das auch zu weit führen und es wäre irgendwann sehr unübersichtlich, wo welche Informationen tatsächlich landen. Immerhin findet man in seinem Profil den Buzz Stream. Allerdings ist hier der Mehrwert auch nicht wirklich erkennbar.

 

Wie geht es weiter?

Die nächsten Themen und Anwendungen zeichnen sich auch schon deutlich ab. Die Entwicklung der Plattform geht zügig voran, auch dank des hervorragenden Feedback-Tools, das man rechts unten auf jeder Google+ Seite finden kann. Mittlerweile haben sich z.B. die Freigabemöglichkeiten für Fotos verbessert; diese können nun individuell kontrolliert werden. So kann man Bilder posten, aber gleichzeitig verhindern, dass sie weiter geteilt werden.

Technisch lässt die Plattform kaum noch Wünsche offen. Inhaltlich gibt es allerdings einige Konflikte. Schwerwiegende Probleme bereitet den Nutzern die Tatsache, dass keine Pseudonyme zugelassen werden. Die Situation spitzt sich derzeit zu, nachdem Google Künstlernamen für „Stars“ zulässt und sich gleichzeitig nicht auf Diskussionen mit Bloggern und sonstigen Nutzern einlässt. Die ersten Blogger verlassen diese Zweiklassen-Gesellschaft und wechseln z.B. zu Diaspora*. Konkrete Fälle findet man u.a. bei Herr Breitenbach und Marcus John Henry Brown („The Kaiser“).

Die Reaktion von Google lässt noch auf sich warten und das Thema bleibt weiterhin spannend.

Im diesem Zusammenhang gibt es noch ein anderes „Profil-Thema“. Derzeit sind nur private Accounts zulässig. Unternehmen und Verlage, die sich schon zu einer frühen Phase bei Google+ positionieren wollten, wurden rausgeworfen. Hier bahnt sich aber eine Veränderung an (vgl. http://plus.google.com/116805285176805120365/posts/3h2UZnnez17 und http://plus.google.com/109895887909967698705/posts/3ytMmBAtrR7). Man sollte also ein Firmenprofil und eine erweiterte Social Media Kampagne vorbereiten, damit man schon etwas in der Tasche hat, wenn es los geht ;o)

 

P.S. ach so… wer zu Google+ möchte, kann sich hier anmelden

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