PDF-Export für MediaWiki – Update 2012

PDF ExportWir hatten hier vor zwei Jahren einen kleinen Beitrag über die Möglichkeiten, MediaWiki-Artikel als PDF-Dokumente auszugeben.
Seither gab es in diesem Bereich zahlreiche Weiterentwicklungen, die ich hier skizzieren will:

Wiki als zentrale Quelle für Wissen

Es gibt viele gute Gründe, ein Wiki um einen PDF-Export ergänzen zu wollen:

  • Auszüge, Protokolle, Checklisten, Kurzbeschreibungen werden in Papierform benötigt oder sollen per Mail verschickt werden können.
  • Ganze Themenbereiche oder Wissensgebiete sollen als Broschüren bzw. Bücher ausgegeben werden, um beispielsweise auf der Webseite für Nutzer, Dienstleister, Partner oder Außendienstmitarbeiter offline zur Verfügung zu stehen.
  • Zwischenstände von Handbüchern sollen festgehalten werden, beispielsweise zur Ergänzung von Verträgen und Ausschreibungen oder als Grundlagenwerk im Rahmen einer Auditierung.

Ein Wiki als zentrales Medium einzusetzen bietet hier den klaren Vorteil, dass nicht unzählige PDF-Dokumente in den unterschiedlichsten Versionen kursieren, sondern Texte im Wiki erarbeitet und aktuell gehalten werden. Der PDF-Export liefert dann einen Abzug der jeweils aktuellsten Fassung.

Schritte zu meinem ersten PDF

Will man ein Wiki um einen PDF-Export erweitern, sollte vorab geklärt werden, ob die Leser einen Einzelartikel als PDF ausgeben können sollen oder ob sie die Möglichkeit haben, mehrere Artikel in einem „Buch“ zusammenzufassen. Letzteres ist technologisch die aufwändigere Lösung.

Außerdem wäre zu klären, ob ein Firmen-CI verwendet werden soll und inwieweit mehrere Vorlagen (Templates) zu Verfügung gestellt werden müssen. Sind die PDFs im Layout immer gleich aufgebaut und haben sie beispielsweise immer das gleiche Deckblatt? Sobald man das weiß, kann es losgehen.

MediaWiki bietet in der Standardsoftware keinen PDF-Export. Allerdings findet man auf MediaWiki.org eine ganze Reihe von PDF-Erweiterungen mit den jeweiligen Installationsanleitungen:

Pdf Export

  • Die Erweiterung wird aktiv weiterentwickelt und ist bis zur MediaWiki Version 1.19 einsetzbar.
  • Sie unterstützt eine Vielzahl von Converter-Backends (mPDF, MwLib, DOMPdf, Prince). Aber keines der Backends bietet die Möglichkeit, verschiedene Vorlagen (Templates) zu verwenden. Die Templates von Pdf Export sind in der Extension fest einkodiert. Und hier wird meist das Wiki-eigene CSS verwendet.
  • Ein anderes Defizit für den professionellen Einsatz ist, dass Pdf Export keine Einbettung von Dateien ermöglicht. Dateianhänge (Excel, Word, PDF u.a.), die im Wiki verlinkt sind, werden vom Export nicht mit ausgegeben.

PdfBook

  • Diese Erweiterung erzeugt ganze PDF-Bücher auf der Basis von Kategorien. Das bedeutet, es können mehrere Seiten mit der gleichen Kategorie ausgegeben werden. Ein Export von Einzelseiten ist dagegen nicht möglich. Außer man vergibt eine Kategorie nur ein einziges Mal.
  • Die Erweiterung ist sehr einfach gehalten und ermöglicht auch keine  Templates.
  • PdfBook verwendet HtmlDOC als Converter-Backend, das bei Shared-Hostern nicht verfügbar ist.

PDFWriter

  • Diese Erweiterung ist nur ein Converter-Backend für die „Collection“-Erweiterung und ist nicht für sich alleine einsetzbar.  Zu Collections gleich mehr im nächsten Kapitel über Wikipedia.
  • Als Converter-Backend kommt MwLib zum Einsatz.

Mpdf

  • Mpdf ist eine sehr einfache Erweiterung, die dem Wiki eine „Aktion“ zur Ausgabe eines PDFs hinzufügt.
  • Die Erweiterung bietet wenig Funktionalitäten und schon gar keine Unterstützung von Templates oder Dateien.
  • Als Converter-Backend dient mPDF.

Interessant ist übrigens auch der PdfHandler, der keine PDFs produziert, aber hochgeladene PDFs anzeigt.

Man sieht schon, dass die bisher genannten MediaWiki-Erweiterungen für PDF-Exporte durchaus brauchbar und hilfreich sind, aber häufig Funktionalitäten fehlen, die für den Einsatz im Unternehmen interessant wären.

Und dann bleibt das allgemeine Problem vieler freier Software-Projekte: Wie alle MediaWiki-Erweiterungen werden diese von unabhängigen Entwicklern zum Download bereitgestellt. Die Pflege der Erweiterungen ist damit nicht gewährleistet. So ist nicht immer sicher, ob die Erweiterung mit der neuesten MediaWiki-Version läuft oder überhaupt nachgezogen wird. Und manche Erweiterungen bleiben vom Entwicklungsstatus her in einem dauerhaften Beta-Stadium. Das ist bei kleineren Wikiprojekten oft unproblematisch. Anders sieht die Sache aus, wenn Firmen auf diese Funktion angewiesen sind, beispielsweise für ein Organisationshandbuch.

Was verwendet eigentlich Wikipedia?

In der Wikipedia kann man – wie auch in den Schwesterprojekten Wikisource oder Wikibooks – Lexikon-Artikel beliebig zu einem Buch zusammenzustellen. Dazu wählt man unter dem Menüpunkt „Drucken/exportieren“ den Link „Buch erstellen“ aus und fügt einzelne Wikiartikel diesem Buch hinzu.

Grundsätzlich kann man auch jedes andere MediaWiki mit dem Mechanismus der Wikipedia ausstatten. Dazu benötigt man unter anderem die Erweiterung Collections. Diese ist für die Sammlung der Artikel zuständig. Collections ist eine schöne Lösung, die neben PDF auch Dokumente in den Formaten ODF und DocBook XML exportieren kann. Dazu verwendet Collections die Erweiterungen PDF Writer, OpenDocument Export und XML Bridge.

Mit Collections ist es auch möglich, Inhalte an einen Print-on-Demand-Service zu schicken, um professionell gedruckte Bücher ausgeben zu lassen. Aktuell bietet das Mainzer Unternehmen PediaPress GmbH diesen Print-on-Demand-Service an. Und es gibt einen schönen Nebeneffekt: Die Existenz von PediaPress sorgt dafür, dass die Erweiterungen rund um Collections regelmäßig aktualisiert werden.

Für Organisationen und Unternehmen ist es aber nicht immer ideal, den Wikipedia-Mechanismus zu nutzen:

  • Wieder sind die Layout-Anpassungen begrenzt.
  • Da Collections Komponenten in Python einsetzt, sind Kenntnisse in dieser Programmiersprache erforderlich.
  • Dateianhänge werden auch hier nicht unterstützt.

BlueSpice free – unternehmenstauglicher PDF-Export

Aus diesem Grund haben wir für die MediaWiki-Enterprise Distribution BlueSpice eine Alternative entwickelt. Der BlueSpice-Entwickler Robert Vogel fasst die Grundidee so zusammen:

Ausgegeben werden einzelne Seiten, die von Menschen mit etwas technischen Kenntnissen mit einem Template versehen werden  können, so dass der Nutzer ein PDF-Dokument im Design des Unternehmens oder der Organisation ausdrucken kann. Wir verwenden daher verbreitete Webstandards, mit denen viele Entwickler vertraut sind. So werden auch Eigenlösungen machbar. Statt auf Python setzen wir auf Java. Und das Templatingsystem von BlueSpice beruht auf einer auf HTML-Basis. Auf diese Weise lassen sich Templates mit eigenen Grafiken (Logos, Banner), einer individuellen Dokumentstruktur (Kopf- und Fußzeilen, Einbinden von Metadaten wie Autor, Datum oder Kategorie) und Designs (Farben, Schriftarten) realisieren.

Generell verfügt jeder, der sein MediaWiki mit dem kostenlosen und frei verfügbaren BlueSpice free erweitert, über diesen PDF-Export. Die freie Version ermöglicht den Export von Einzelseiten. Außerdem bietet die freie Version:

  • Das Templatesystem auf der Basis von Webstandards. So kann man mit entsprechenden technischen Kenntnissen selbst Templates schreiben.
  • Einen Export von Spezialseiten, Kategorieseiten und Bildseiten.
  • Die Möglichkeit zum Ausblenden von Textelementen für Passagen, die nicht für alle Augen bestimmt sind.

Den Download und die Installationshinweise von BlueSpice free findet man hier.

BlueSpice [bookmaker] – Ein professionelles Modul für PDF-Bücher

BlueSpice: Über die rechte Maustaste das PDF-Buch anpassen
BlueSpice: Über die rechte Maustaste das PDF-Buch anpassen

Um den BlueSpice-PDF-Export mit einer professionellen Buchfunktion zu erweitern, gibt es das kostenpflichtige BlueSpice-Paket [bookmaker].

BlueSpice ermöglicht hier in einer Maske das Erstellen von neuen Büchern mit Titel und Untertitel, sowie das Verändern von vorhandenen Büchern. Per Drag & Drop können Kapitelstukturen aus Wikiartikeln neu erstellt oder auch vorhandene verändert werden.

Um daraus ein PDF Buch zu erzeugen, bedarf es lediglich der Auswahl der gewünschten Artikel (falls nur Teile aus diesem Buch gebraucht werden) und eines Klicks auf den Button „PDF erstellen“. Schon erhält man ein PDF Buch.

Die PDF-Ausgabe erfolgt mit Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Hinweisen zum Freigabestatus und Dateianhängen.
Die PDF-Ausgabe erfolgt mit Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Hinweisen zum Freigabestatus und Dateianhängen.

Wurden im CSS entsprechende Anpassungen vorgenommen, so enthält dieses Buch Wikiseiten und ein Titelblatt im Firmendesign, ein klickbares Inhaltsverzeichnis, Hinweise auf Dateianhänge und Freigaben.

Noch zwei Besonderheiten seien erwähnt:

  • Einbindung von Dateianhängen: [bookmaker] zieht die verlinkten Dokumente (Fomulare, Excel-Dateien, Power-Point-Präsentationen…) in das auszugebende Dokument und listet sie im Anhang auf.
  • Ausgabe unterschiedlicher Templates: Es ist sogar möglich, mit einem Tag für eine Seite ein gesondertes Template auszugeben.

Bookmaker 2013

BlueSpice [bookmaker] ermöglicht das Einbinden einer Kapitelnavigation.
BlueSpice [bookmaker] ermöglicht das Einbinden einer Kapitelnavigation.
Derzeit arbeiten wir an weiteren Verbesserungen, die Anfang 2013 verfügbar sind:

  • Umgang mit breiten Tabellen: Breite Tabellen lassen sich kennzeichnen. Dadurch werden sie in der Ausgabe gedreht. Diese Funktion gibt es bereits in einer Beta-Version. Wir wollen hier aber noch mehr Erfahrungen sammeln.
  • Interne Verlinkung: Bislang kann man von den Inhaltsverzeichnissen auf die richtige Seite im Dokument springen. Interne Links im Fließtext verwiesen aber noch aus dem PDF heraus auf die Wiki-Seite. Künftig springt man auch mit den internen Links an die richtige Stelle im Dokument.
  • Verlinkung von Dateianhängen: Dateianhänge, die im Fließtext verlinkt sind, sind bald über diese Links aufrufbar. Bisher verwiesen auch hier die Links aus dem PDF hinaus auf die Quelle im Wiki.

Weitere Anregungen nimmt das Entwicklerteam gern auf.

Dies könnte Ihnen auch gefallen

1 Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar