Von Musiklehrern, Chorleitern, Bands und Musikensembles: Die Hürden im Umgang mit freien Noten

Markus Dankesreiter vom Heartchor in Regensburg
Markus Dankesreiter vom Heart Chor in Regensburg

Der Heart Chor in Regensburg hat viele kleinere Veranstaltungen und alle zwei bis drei Jahre größere Veranstaltungen, bei denen auch Schauspieler vom Theater Regensburg mitmachen. Das Heart Chor Ensemble singt auch auf Hochzeiten.  Das Repertoire ist vielfältig und reicht von Pop-Balladen über geistliche Gesänge, romantische Stücke bis hin zu jazzigen Arrangements. Der Heart Chor ist als Verein organisiert.

Richard Heigl führte beim Symposion „Freie Noten im Internet!?“ ein Interview mit Chorleiter Markus Dankesreiter über die bisherigen Hürden und zukünftige Wünsche von Chorleitern im Umgang mit Noten.

Du leitest ja einen sehr erfolgreichen Chor in Regensburg, den Heart Chor. Wie kommst du denn an Noten?

So ganz grundsätzlich haben wir Schwierigkeiten die Noten zu bekommen, einfach weil es die Stücke, die wir  machen wollen, meistens nicht für Chor gibt. Wir singen eben viele aktuelle Stücke, die gerade in den Charts sind oder vor ein paar Jahren in den Charts waren, und die gibt es nur wenig zu kaufen. Und wenn es sie zu kaufen gibt, dann nur sehr teuer, sodass wir uns das als Verein mit über 60 aktiven Sängerinnen und Sängern nicht leisten können. Im Endeffekt läuft es dann so: Ich arrangiere die Stücke selber oder wir beauftragen befreundete Arrangeure.

Diese Arrangements sind wegen den einzelnen Stimmen ganz schön aufwendig. Und dann haben wir aber ein rechtliches Problem, denn die Stücke liegen, nachdem wir sie ein paar Mal gesungen haben, da und ich darf sie nicht weitergeben, weil ich kein Verwertungsrecht dafür habe bzw. es mir nicht leisten kann. Und insofern fände ich es total schön, weil ich ja auch weiß, dass bei ganz vielen befreundeten Chorleitern Noten und Arrangements zu aktuellen Stücken rumliegen, wenn diese Stücke in einer Musikplattform bereitstehen würden. Unter der Vorraussetzung, dass es legal wäre und ich sie verwenden dürfte. Ich selbst tausche auch gerne.

Ich gebe alles kostenlos, was ich sowieso schon arrangiert habe, und was sich ja nicht mehr brauche, denn Stücke kann man nur begrenzt oft singen. Es wäre also für uns auch eine Unterstützung, von anderen Chorleitern moderne Arrangements zu kriegen – und ein bisschen was kann man ja auch dafür zahlen, aber als Verein leider eben nicht sehr viel. Umgekehrt bin ich aber auch bereit kostenlos etwas dafür herzugeben. Mir hat es Spaß gemacht, das Zeug zu arrangieren, wir haben es gesungen und nun können andere ein Freude damit haben.

Du hast rechtliche Hürden angesprochen. Was sind denn typische rechtliche Hürden, mit denen du zu kämpfen hast?

Ein Beispiel: Ich wollte dieses bekannte Melodie von Winnetou, die ist von Martin Bötcher, arrangieren. Also habe ich beim Rechteinhaber in Hamburg angefragt, ob ich das arrangieren darf. Als Antwort bekam ich: „Schicken Sie uns doch mal ihr Arrangement, damit wir sehen können, ob sie das arrangieren dürfen“. Der Komponist bekommt das nämlich zur Begutachtung, und wenn dieser das freigibt, darf ich das arrangieren. Eine vielleicht notwendige, aber irgendwie auch etwas verdrehte Reihenfolge.

Beim Arrangieren hab ich dann das Problem, dass ich das eigentlich nur handschriftlich machen darf, d.h. eigentlich ist kein Notensatz-Programm erlaubt. Das Stück kann dann nämlich rechtlich als „Druck“ interpretiert werden, spätestens dann, wenn ich das als PDF ausgebe. Dennoch, so habe ich das also im Falle dieses Winnetou-Liedes gemacht.

Schlussendlich hat auch alles gepasst und ich durfte das Arrangement verwenden. Allerdings mit der Auflage, dass ich das nur für den Heart Chor verwenden und nicht verkaufen darf. Verkaufe ich es, so möchte der Rechteinhaber am Umsatz beteiligt werden – und zwar im Voraus. Und diese Summe kann ich mir als Arrangeur nicht leisten. Deswegen verkaufe ich es nicht, und so liegt es nun in meiner Schublade. Und das ist doch schade.

Nun machst du ja nicht alle Arrangements selbst. Gibt es schon Plattformen, die du nutzt?

Ich nutze die CPDL,  z.B. wenn ich für Weihnachten was brauche, da ist gemeinfreie Musik von lange verstorbenen Komponisten drin. Das ist praktisch, weil dort auch verschiedene Editionen zu finden sind. Es gibt auch andere Plattformen, die ich verwende. Teils kosten die Geld, aber einen Euro pro Exemplar, das können wir uns noch leisten. Wenn es dann aber 3,50Euro pro Kopie sind, dann wird es schon schwierig. Ein anderes Thema ist natürlich, dass man viele Stücke nur im Kontext eines Buches bekommt. Und da hat man ganz praktisch das Problem, dass die Dinger viel zu schwer sind für einen Sänger, um sie lange Zeit im Arm zu halten; aber rauskopieren darf ich es ja eigentlich wieder nicht. Da rufen wir dann meistens beim Verlag an und fragen wie wir das am besten handhaben können.

Was sollte sich denn deiner Meinung nach als allererstes ändern? Was würdest du dir für ein Musikwiki wünschen?

Für mich ist das dringendste Problem die Unklarheit beim Urheberrecht bei Bearbeitungen. Was darf ich? Was darf ich nicht? Wo und was darf ich austauschen? Wenn das geklärt wäre, wäre das unglaublich hilfreich. Bezahlen tun wir ja spätestens bei der Aufführung sowieso, die Urheber haben also auf jeden Fall was davon. Und so liegen tolle Bearbeitungen ungenutzt rum und Kreativität wird von vornherein gehemmt – vor allem im Pop – Rock – Jazz-Bereich. Also eine Zusammenfassung über die rechtliche Situation, über den auch ab und an ein Jurist oder ein Verband drüberschaut, ob die Informationen noch stimmen, das wäre ein tolle Sache. Dann muss nicht jeder Chor diese Informationen selbst raussuchen.

Das Zweite wäre Unterstützung bei der Repertoiresuche. Das heißt, ich habe ein bestimmtes Stück und suche passende Stücke dazu. Gerade bei den Hochzeiten bekommen wir oft Musikwünsche – das Problem daran: wenn sich das Brautpaar beispielsweise „Run“ von Leona Lewis wünscht – das ist eigentlich ein Trennungslied oder wenn wir eben zwei Stücke als Wunsch bekommen wie beispielsweise „Halleluja“ und „Ave Maria“ und dann müssen wir eben schauen, welche anderen Stücke dazu passen, damit es musikalisch halbwegs stimmig ist. Und da wäre es toll, wenn man Vorschläge dazu bekäme, mit welchen anderen Liedern man diese Stücke zusammen singen kann und wie sind diese schon mal verbunden wurden.

Markus, vielen Dank für das Interview!

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