MediaWiki – Eine Software auf dem Sprung in die Zukunft. Teil 2/3: Visueller Editor und simultanes Bearbeiten

Visueller Editor – der Wikicode wird abgelöst

Wer in den letzten Jahren einen Wikipedia-Artikel geschrieben oder verbessert hat, kennt bereits den Visuellen Editor, der nun einen gewissen Reifestatus erreicht hat. (Siehe auch den Beitrag von Nathalie Köpff zum Thema). Die Aufgabe, einen solchen Editor zu schreiben, ist ein Großprojekt. Im Unterschied zu anderen Web-Anwendungen muss ein Editor für die Wikipedia nicht nur mit unterschiedlichen Sprachen (zum Beispiel mit Rechts-Links-Ausrichtung) zurechtkommen, sondern auch noch die vielen Funktionen des Wikis, das Vorlagensystem, die Magic Words u.a.m. verarbeiten. Dazu musste mit dem Wikitextparser Parsoid eine ganz neue technologische Grundlage gelegt werden. Und da sich die Wikipedia, aber auch die Webstandards (Browser, Protokolle, Sprachen) weiterentwickeln, bleibt die Aufgabe für lange Zeit ein komplexes Projekt. Aber auch ein lohnendes Projekt, das Bedeutung für die gesamte Webcommunity hat – da zum Beispiel kein kommerzieller Anbieter einen Editor für über 100 Sprachen entwickeln und frei zur Verfügung stellen würde.

Aktueller Stand (September 2014) des "VisualEditor" auf mediawiki.org zu sehen
Aktueller Stand (September 2014) des „VisualEditor“ auf mediawiki.org zu sehen

Dennoch ist das Projekt bis heute in der Wikimedia-Community sehr umstritten. Dazu trug bei, dass die Einführung des Editors zu großen Komplikationen geführt hat. Der Editor war bei der ersten Implementierung einfach noch nicht einsatzbereit.

Die Skepsis in der Community gegenüber dem Editor hat aber auch damit zu tun, dass mit dessen zunehmender Nutzung der Wikitext weitgehend entfallen dürfte. Was für den einen eine tolle Möglichkeit ist, bedeutet für den anderen den Verlust von Gestaltungsmöglichkeiten. Denn bislang kann man mit Bordmitteln des Wikis viele kleine Tools bauen (zum Beispiel Vorlagen oder Überblickslisten). Auch das Setzen einfacher Formatierungen ist für geübte Wikitext-Kenner wesentlich effektiver.

Doch über die Zeit bewirkte der Wiki-Code, der das Bearbeiten einfacher machen sollte, das schiere Gegenteil. Die Bearbeitung eines Wikiartikels setzt doch einiges an Erfahrung und Expertise voraus. Das ist aber vielfach nicht sinnvoll, da viele handgestrickte Funktionen heute durch entsprechende Erweiterungen eleganter abgebildet werden könnten.

An dem Übergang zum Visuellen Editor hängt also viel Identität und auch ein Stück Wikiphilosophie dran. Für einige Wikipedia-Autoren mag es eine Einschränkung sein, für die Wiki-Welt jenseits der Wikipedia bleibt es ein großer Sprung nach vorn. Die Nutzungsgewohnheiten haben sich geändert, die meisten Wikis arbeiten weitaus weniger komplex, als die Wikipedia, die immer schon ein Sonderfall mit besonderen Anforderungen war. Und so ist ein nativer Visueller Editor für viele MediaWiki-Nutzer ein längst überfälliger Sprung hinterher. Notwendig, um mit Wikis neue freien Wissensknoten im Web aufzubauen.

Simultanes Bearbeiten von Texten

Ein weiteres sehr ambitioniertes Projekt wurde auf der Wikimania 2014 vorgestellt. Das simultane Bearbeiten von Texten, wie man es schon von Google Docs her kennt, soll auch für MediaWiki möglich werden. Überlegungen dazu gibt es seit längerem. Aber es fehlte, wie so oft, an den nötigen Ressourcen für das Projekt. Allerdings kündigte nun der stellvertretende Geschäftsführer der Wikimedia Foundation Erik Möller an, dass es bereits in einem Jahr einen ersten Prototypen geben soll. Man darf gespannt sein.

Worüber im Moment noch nicht diskutiert wird, aber in Zukunft bedeutend werden könnte, sind zwei Punkte.

  • Speech2Text: Es wird zunehmend wichtig Texte in Wikis diktieren zu können. „Speech2Text“ entwickelt sich zunehmend zum Standard, da die Spracherkennungssoftware in den letzten Jahren Riesenschritte gemacht hat. Erkennbar wird das bei der Google-Suche, die sprachgesteuert ausgeführt werden kann.
  • Entwurfsfunktion: Darüber hinaus wird auch für MediaWiki eine richtige Entwurfsfunktion benötigt. So muss beispielsweise jede Stiftung oder NGO mit lokalen Gruppen Texte für Projekte erarbeiten können. Bislang weichen sie dazu aber auf Google Docs oder Etherpad aus. Doch für öffentliche Wissenssammlungen sind diese beiden Anwendungen aus verschiedenen Gründen völlig ungeeignet.
    Daher sollte es auch in MediaWikis endlich möglich sein erste Entwürfe kollaborativ und nur mit einem kleinen Kreis von Autoren zu bearbeiten, bis der Text freigegeben werden kann.

Insgesamt sehen wir von Hallo Welt! diese Entwicklungen sehr positiv, weil MediaWiki viel benutzerfreundlicher wird. Die Bedienung wird intuitiver und das Arbeiten mit dem Editor stabiler. Unsere Enterprise-Distribution wird diese Entwicklungen übernehmen, anpassen und auch hier für eine kontinuierliche Entwicklung sorgen.

 

Teil 1/3: MediaWiki – Eine Software auf dem Sprung in die Zukunft. Skinning, Mobile, Dialoge.
Teil 3/3: MediaWiki – Eine Software auf dem Sprung in die Zukunft. Kommunikation, Wikidata,Übersetzungen.

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