Viva la Wikimania – mein Resümee zur internationalen Wikimedia Konferenz 2015

Das war sie mal wieder, die Wikimania. Dieses Mal durfte ich nach Mexico City fliegen, das hat ja schon ein bisschen was von einem Abenteuer. Die größte Versammlung von Wiki{m|p}edianern auf einem Platz bot wieder zahlreiche Einsichten, Gespräche und neue Kontakte.

Die "mwstake" im Hacking Room bei der Wikimania 2015
Die „mwstake“ im Hacking Room bei der Wikimania 2015

Vorrangig war meine Mission dieses Jahr, die MediaWiki Stakeholders‘ User Group voranzutreiben und zu sichern. Mittlerweile hat sich ein Kern von sechs bis acht Leuten herausgebildet, die nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat zusammenstehen. Daher haben wir uns auch gleich am ersten Tag einen Tisch im Hacking Room gesichert und mit unserem #mwstake getagged. Unsere wichtigste Errungenschaft war dar Start einer Umfrage zur MediaWiki-Nutzung. Diese wurde sehr gut rezipiert und durch die Aufrufe und Retweets wissen wir, dass wir in der MediaWiki-Welt starke Verbündete haben. Erste Ergebnisse davon hat Chris Koerner dann auch gleich in der Stakeholder-Session präsentiert. (Nebenbei, die Umfrage läuft noch bis 31. Juli, also fleissig teilnehmen).

Im Januar haben Mark Hershberger und ich auf dem Developer Summit festgestellt, dass es im Bereich MediaWiki an einer Product Ownership fehlt. Oft ist nicht klar, welche Entwicklungen vorangetrieben werden sollen, oder welche von zwei Alternativen einer Implementierung sich durchsetzt. Während es im Bereich der einzelnen Features (VisualEditor, Multimedia, etc) klare Verantwortlichkeiten gibt, ist das bei MediaWiki als Software, die veröffentlicht wird, nicht der Fall. Wir haben die Wikimania genutzt, um mit einigen Schlüsselpersonen zu sprechen, beispielsweise mit Brion Vibber, Trevor Parscal oder Roan Kattow, um zu sondieren, ob ein Engagement unserer Gruppe in diesem Bereich Sinn macht. Denn wir können uns allerhand gute Governance Modelle ausdenken so wie wir wollen, doch wenn diese nicht durch die wichtigsten Gruppen angenommen werden, sind sie wertlos. Und ja, es wird allgemein gesehen, dass es hier eine Lücke gibt. Es scheint auch so, dass eine externe Lösung dieser Frage durchaus erwünscht ist. Daher werden wir das Thema weiter vorantreiben. Ein erster Schritt ist sicherlich ein gewisses Roadmapping, um mehr Vorhersehbarkeit in die Entwicklung zu bringen.

In diesem Zusammenhang hat sich auch im Bereich Funding eine interessante Perspektive aufgetan. Derzeit ist es nicht möglich, Entwicklungen von der Foundation fördern zu lassen, die nicht völlig eigenständig sind. Das bedeutet, dass keine Änderungen im MediaWiki-Kern und auch keine Erweiterungen förderbar sind. Die Begründung ist, dass diese Projekte neben der geförderten Zeit auch die der Kernentwickler in Anspruch nehmen, weil diese ja den Code begutachten müssen. In einer Session mit Marti Johnson haben wir die Idee entwickelt, dass die Stakeholders, die ja auch einig Entwickler mit +2-Recht in ihren Reihen haben, hier die Code Review übernehmen könnten. Ich halte diese Idee für sehr reizvoll, da wir damit die Förderung von Featureentwicklungen für MediaWiki ermöglichen könnten.

Neben den Stakeholders finde ich momentan den Bereich des (EU)-Lobbying besonders interessant und möchte hier insbesondere die Beiträge von Dimitar Dimitrov und natürlich von Julia Reda (MEP) zum Thema Urheberrechtsreform in der EU hervorheben. Die beiden haben unter hohem persönlichen Aufwand verhindert, dass die Panoramafreiheit in Europa unterwandert wird. Daneben sind einige wichtige positive Veränderungen eingebracht, wie die Begrenzung der Dauer des Urheberrechts, eine Bekenntnis zur Public Domain und eine Empfehlung für Open Government. Der Reda-Report wurde mit überwältigender Mehrheit verabschiedet. Aber: jetzt geht es erst in die Gesetzgebungsphase und da kann noch einiges passieren. Wachsamkeit ist also gefragt. Ich rufe euch alle dazu auf, unterstützt hier, wenn es nötig wird!

Ganz kann ich natürlich nicht von der großen Wikimedia-Politik lassen. Mein Eindruck (den ich nicht ganz alleine habe, gell Marcus Cyron), ist, dass es dieses Jahr keine großen Aufbrüche gab, sondern eher alles beim Status Quo bleibt. Dabei sind viele große Probleme angegangen worden und zum Teil gelöst worden, mehrere Übergänge haben stattgefunden und technologische Neuerungen wurden veröffentlicht. Wahrscheinlich muss man sich erst mal mit der Situation zurechtfinden – sich einleben in die neue Rolle. Daher denke ich, dass im nächsten Jahr sicherlich einige Neuerungen zu erwarten sind. Ein wenig frischer Wind, ein bisschen positive Aufbruchstimmung, das kann dem Wikiversum nicht schaden.

Des Weiteren ist mir unser BlueSpice mehrfach über den Weg gelaufen, beispielsweise in Form von Leuten, die schon davon gehört haben, das ausprobiert haben oder gedenken, sich mit der professionellen Variante von MediaWiki auseinanderzusetzen. Hat mich sehr gefreut, dass auch die MW-Welt langsam von uns Notiz nimmt. Wir gewinnen an Sichtbarkeit und Verbreitung.

Zu guter Letzt möchte ich noch ein Wort zum Gastgeber verlieren. Mexico hat mich enorm positiv überrascht. Liest man die Warnungen des Auslandsamtes, so möchte man gleich gar nicht hinfahren. Ich habe die Mexikaner jedoch als sehr freundlich und unkompliziert erlebt. Auch die angekündigten bewaffneten Raubüberfälle sind ausgeblieben. Ich habe mich sehr sicher gefühlt und kann Mexiko als Reiseland nur empfehlen.

Wikimania 2015 - Group photo
By EneasMx (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

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