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Social Media Strategien in der Politik – Was Akteure wissen sollten

Ein Beitrag von Anja Ebersbach und Dr. Richard Heigl. Ihre These: Das Social Web ist das Schlüsselmedium der neuen Gesellschaft, in dem maßgeblich politische Einstellungen geformt werden. Neu ist, dass sich die Nutzer im Social Web nicht mehr als passive Anhänger, sondern als gleichberechtigte Akteure erfahren. In diesem neuen Medium und in diesen neuen Kulturen muss die professionalisierte Politik ihren Platz aber erst noch finden.

Die sozialen Medien krempeln auch die politische Landschaft um. Ob im arabischen Frühling, im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf: Twitter, Facebook und Blogs dienen als zentrale Mobilisierungs- und Kommunikationsmedien politischer Bewegungen. Doch auch in „Ruhephasen“ wird das Web zum zentralen Ort demokratischer Beteiligung und Kontrolle.

Startseite der Lobbypedia
Startseite der Lobbypedia

So erhielt im Jahr 2012 erhielt die Webplattform Lobbypedia den Grimme Online Award in der Sparte Wissen und Bildung. Die Begründung der Jury:

„Der Leser erfährt, wie verschiedene Interessengruppen versuchen, die Politik für ihre Zwecke zu gewinnen. Das ist nicht nur für den interessierten Bürger wichtig, sondern auch für die journalistische Recherche. Die Seite schlägt eine Brücke, denn sie schafft mehr Transparenz im Dickicht der alltäglichen Meldungen und Mutmaßungen über politische Abhängigkeiten.“

Auch in der lokalen Politik sind soziale Medien nicht mehr wegzudenken. Nach dem Vorbild der Beteiligungsformen der Piratenpartei organisieren Kommunen Bürgerbeteiligungsprozesse über das Web. Landratsämter, Abgeordnete, Parteien, Gewerkschaften und Verbände suchen ihren Weg in die digitale Öffentlichkeit.

Der Erfolg des Wahlkampfs von Barack Obama und andere Beispiele beflügeln die Phantasie und nähren die Hoffnung, verlorenen politischen Einfluss zurückzugewinnen. Doch diese neuen Medien folgen anderen Gesetzen: Dezentral organisiert sind sie weit weniger zu kontrollieren und zu manipulieren. Zustimmung, Follower und Unterstützer erhält man nicht einfach so. Transparenz, Authentizität und Reputation der Akteure spielen eine bedeutende Rolle in der digitalen Öffentlichkeit. Im Gegensatz zum Zeitalter der unidirektionalen, zentralistischen Massenmedien sind in diesem tendenziell egalitären Kommunikationsmedium andere Haltungen, Kommunikations- und Vermittlungsformen gefragt.
Dass nun jeder schreiben und kommentieren kann, schürt natürlich auch Ängste. Ängste vor einer losgelösten Masse, vor einem Verfall von Werten und Standards. Durch „Shitstorms“ und unzählige Diskussionsforenbeiträge sehen sich viele Akteure in ihrer pessimistischen Sicht bestätigt.

Nach (knapp) einem Jahrzehnt sozialer Medien lassen sich aber drei Erscheinungen feststellen:

1. Ob man will oder nicht: Das Web ist das Schlüsselmedium jeder neuen Gesellschaft. Die politische Arbeit wird sich unvermeidlich in diesen Bereich verlagern. Die politische Einrichtungen und Akteure werden sich in der Intensität der Nutzung des Webs unterscheiden und auch in der Absicht, was sie erreichen wollen. Die politischen Vorreiter des Webs entwickeln zusammen mit ihren Unterstützern ihre politische Programmatik. Sie schließen den Regelkreis, indem die Rückmeldungen auch sichtbare Auswirkungen auf ihre Politik haben. Weiterlesen

Lobbypedia gewinnt Grimme Online Award 2012

Jetzt ist es passiert: Das lobbykritische Onlinelexikon Lobbypedia hat am letzten Mittwoch den Grimme Online Award WISSEN und BILDUNG 2012 gewonnen! Die Begründung der Jury:

Unabhängigkeit und Transparenz sind Worte, die in den Reden vieler Politiker zwar oft vorkommen, doch viele Bürger stehen diesen Aussagen skeptisch gegenüber. Zu groß ist der Einfluss gesellschaftlicher Gruppen auf die politischen Akteure, zu eng erscheinen vor allem die Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft. „Lobbypedia“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die versteckten Strukturen des Lobbyismus sicht- und greifbar zu machen. Die Plattform bietet in einem Wiki viele Entwicklungsmöglichkeiten, um Geld- und Beeinflussungsströme innerhalb der Politik transparent aufzuzeigen. Dazu zählen Einblicke, welche Lobbygruppen mit Mitarbeitern in Ministerien vertreten und welche Politiker in die Wirtschaft gewechselt sind.

Prinzipiell kann bei diesem Wiki jeder mitmachen, die Redaktion hat jedoch ein ausgefeiltes Regelsystem entwickelt, um die Qualität zu sichern. Einträge werden mit Quellen belegt und sind sachlich dargestellt. Dadurch wird der Anspruch untermauert, unabhängig und fair über den Lobbyismus in Deutschland zu berichten. Der Leser erfährt, wie verschiedene Interessengruppen versuchen, die Politik für ihre Zwecke zu gewinnen. Das ist nicht nur für den interessierten Bürger wichtig, sondern auch für die journalistische Recherche. Die Seite schlägt eine Brücke, denn sie schafft mehr Transparenz im Dickicht der alltäglichen Meldungen und Mutmaßungen über politische Abhängigkeiten.

Die Jury hat die Hoffnung, dass das noch junge Projekt „Lobbypedia“ in Zukunft weiter wachsen wird und einen Beitrag dazu leistet, politische Entscheidungen und deren Hintergründe für die Bürger nachvollziehbarer zu machen.

Wir gratulieren dem Team von LobbyControl ganz herzlich und wünschen auch für die Zukunft viel Erfolg! – Und natürlich gratulieren wir auch allen anderen Preisträgern.

Weitere Links zum Thema:

 

Lobbypedia für den Grimme Online Award nominiert.

Vor wenigen Tagen hat die Jury die Nominierungen für den Grimme Online Award (GOA) bekannt gegeben. Wir freuen uns, dass ein von uns betreutes Projekt, die Lobbypedia, im Themenbereich „Wissen und Bildung“ ausgewählt wurde, und drücken die Daumen für die letzte Runde! Übrigens kann die Weböffentlichkeit einen Publikumspreis vergeben. Deswegen: Schaut euch die Kandidaten an und stimmt hier ab! Gern auch für die Lobbypedia.

„Der Grimme Online Award Wissen und Bildung zeichnet beispielhafte Angebote aus, die der Vermittlung von allgemein relevanten Wissensinhalten dienen und einen Beitrag für gesellschaftliche Bildung, Beratung und Aufklärung leisten,“ heißt es auf der offiziellen GOA-Website. Diesen Zielen sieht sich die Lobbypedia verpflichtet wie nur wenig andere Projekte. Die noch junge aber schon sehr erfolgreiche Organisation LobbyControl startete 2010 das Projekt, um Wissen, Daten, Fakten und Zusammenhänge über die Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit zu recherchieren und zu veröffentlichen. Dabei stand u.a. das britische Webprojekt Spinwatch Pate.

Sorgfalt bei der Informationsbeschaffung, Verlässlichkeit und Belegbarkeit der Informationen ist für LobbyControl von zentraler Bedeutung: Falsche Informationen würden die Organisation schnell unter politischen und finanziellen Druck setzen. Deswegen wurde der Autorenkreis bislang eher behutsam erweitert. Autorinnen und Autoren sind aber immer gesucht und willkommen! Es gibt auch Überlegungen, die Lobbypedia mittelfristig ganz zu öffnen und mit einem einfachen Freigabemechanismus wie in der Wikipedia zu steuern.  Das wird sich aber zeigen. LobbyControl erkundet hier noch ziemliches Neuland. Die weitere Entwicklung des Projekts bleibt in jedem Fall spannend. Die publizierten Inhalte sind es bereits.

Übrigens legte das Projekt im Oktober 2010 einen medialen Traumstart hin. Die umfassende Berichterstattung in klassischen Massenmedien und in der Blogosphäre, sowie 600 Seitenabfragen in der Minute beim Launch des Projekts dokumentieren das große Interesse der Netzöffentlichkeit an mehr Transparenz in der politischen Einflussnahme.

Hallo Welt! darf das Projekt und das zugrunde liegende MediaWiki von Beginn an technisch betreuen. Bedeutsam an diesem Projekt ist zum einen die Kampagnenfähigkeit (Serverarchitektur für kurzzeitige Hochlast) und zum anderen die zeitweilige Unterstützung der Redaktion (Berechtigungssystem, inhaltliche Strukturierung, Training).

Wir bedanken uns bei der Gelegenheit für die großartige Zusammenarbeit mit Felix Kamella, Ulrich Müller und Elmar Wigand von LobbyControl und den Kolleginnen und Kollegen von JPBerlin, die für die Server sorgen.